Kapitel 7 · qr.bav.ch/k7

Führungs-
leitfaden

12 Fragen für Mitarbeitergespräche, Krisengespräche und private Schlüsselgespräche. Mit Notizfeldern, sofort druckbar.

12 Fragen
3 Gesprächstypen
PDF und Word, gratis
Führungsleitfaden
Mit Zweckangabe pro Frage und Notizfeldern zum Ausfüllen. A4, druckfertig.
PDF · A4 Word zum Anpassen Gratis

Fragen sind eine Haltung, keine Technik

Wer fragt statt anweist, signalisiert, dass das Gegenüber eine Perspektive hat, die zählt. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zur Kontrollkultur. Dieser Leitfaden gibt Führungspersonen und allen anderen konkrete Fragen für die Gespräche, in denen es wirklich darauf ankommt.

Zur Nutzung

Kein Gespräch braucht alle zwölf Fragen. Wählen Sie zwei bis drei aus, die zum Kontext passen. Die Notizfelder im Dokument sind zum Ausfüllen vor, während oder nach dem Gespräch. Die Wirkung hängt nicht von der Formulierung ab, sondern von der Haltung, mit der die Fragen gestellt werden.

Die 12 Fragen im Überblick

Teil 1: Mitarbeitergespräche

Für Einzelgespräche, Jahresgespräche und regelmässige Check-ins

01
Was läuft in Ihrer Arbeit gerade gut, und was würden Sie sich für die nächste Zeit wünschen?
Einstieg ohne Agenda. Wer zuerst fragt statt zu bewerten, signalisiert echtes Interesse.
02
Gibt es Bereiche, in denen Sie das Gefühl haben, nicht die nötige Entscheidungsbefugnis zu haben?
Delegation sichtbar machen. Kontrollmuster zeigen sich oft genau hier.
03
Gibt es etwas, das Sie schon länger sagen wollten, aber noch nicht angesprochen haben?
Psychologische Sicherheit testen. Die Antwort zeigt, wie offen das Klima wirklich ist.
04
Woran merken Sie, dass Sie mir vertrauen, und woran merken Sie, dass Sie es nicht tun?
Vertrauen direkt ansprechen. Diese Frage erfordert Mut auf beiden Seiten.
05
Wenn Sie eine Sache an der Art verändern könnten, wie ich führe: Was wäre das?
Führungsfeedback einfordern. Nur wer diese Frage aushält, wächst als Führungsperson.
06
Wo brauchen Sie mehr Unterstützung, und wo weniger?
Den eigenen Führungsstil kalibrieren. Zu viel Unterstützung kann Kontrolle sein.

Teil 2: Krisengespräche

Wenn etwas schiefgelaufen ist, im Team, im Projekt oder in einer Beziehung

07
Was ist aus Ihrer Sicht das Kernproblem, nicht die Symptome, sondern die eigentliche Ursache?
Systemdenken statt Schuldzuweisung. Wer die Ursache kennt, kann strukturell handeln.
08
Was hätten Sie gebraucht, damit die Situation anders verlaufen wäre?
Ressourcen sichtbar machen. Die Antwort zeigt, was fehlte, nicht wer versagte.
09
Was haben Sie in dieser Situation gelernt, über die Sache und über sich?
Fehlerkultur fördern. Wer Lernen vor Strafe stellt, schafft Vertrauen.
10
Was brauchen Sie von mir, um aus dieser Situation wieder handlungsfähig zu werden?
Handlungsfähigkeit zurückgeben. Kontrolle bedeutet hier loszulassen und zu ermöglichen.
11
Was sind die nächsten konkreten Schritte, und wer übernimmt wofür die Verantwortung?
Delegation im Krisenmodus. Klare Verantwortung ist Voraussetzung für Erholung.
12
Wie soll ich Sie in den nächsten Wochen am besten begleiten, nahe dran oder Raum lassen?
Führungsstil auf die Person abstimmen. Verhindert den paternalistischen Kontrollreflex.

Teil 3: Private Schlüsselgespräche

Für Gespräche in Beziehungen, Familie und Freundschaft

P1
Was beschäftigt Sie gerade am meisten, und was wünschen Sie sich von mir in dieser Situation?
Zuhören vor Lösen. Wer zuerst fragt, nimmt nicht die Kontrolle, sondern gibt sie.
P2
Gibt es etwas, das Sie mir schon länger sagen wollten, aber noch nicht angesprochen haben?
Raum für Ungesagtes. Die Antwort zeigt, wie sicher sich das Gegenüber fühlt.
P3
Woran merken Sie, dass ich Ihnen vertraue, und woran merken Sie, dass ich es nicht tue?
Vertrauen konkret machen. Vertrauen ist kein Gefühl, sondern sichtbares Verhalten.
P4
Was hätten Sie in dieser Situation von mir gebraucht, das Sie nicht bekommen haben?
Bedürfnisse sichtbar machen, ohne Schuld zuzuweisen.
P5
Wie kann ich Sie am besten unterstützen, ohne Ihnen die Kontrolle zu nehmen?
Die Grenze zwischen Hilfe und Kontrolle bewusst machen. Hilfe braucht eine Einladung.
P6
Was sind konkrete nächste Schritte, und welchen davon übernehmen Sie, welchen ich?
Verantwortung teilen statt übernehmen. Auch im Privaten ist klare Delegation möglich.

Wissenschaftlich fundiert

Fragende Führung erhöht nachweislich die psychologische Sicherheit in Teams (Edmondson, 1999) und fördert Lernverhalten. Die Fragen dieses Leitfadens basieren auf Prinzipien der motivierenden Gesprächsführung (Miller & Rollnick, 2012), des gewaltfreien Gesprächs (Rosenberg, 2003) und der systemischen Führung (Königswieser & Hillebrand, 2004).

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