Was Sie erwartet
Diese neun Minuten stellen Ihnen drei Fragen. Keine davon müssen Sie laut beantworten. Keine davon hat eine richtige Antwort. Aber alle drei haben das Potenzial, etwas sichtbar zu machen, das vorher unsichtbar war.
Für alle, die lieber lesen
Das zusammen gefasste Transkript der Audio-Reflexion — für Hörbeeinträchtigte oder alle, die den Text lieber still lesen möchten.
Ich werde dir drei Fragen stellen. Keine davon müssen Sie laut beantworten. Keine davon hat eine richtige Antwort. Aber alle drei haben das Potenzial, etwas sichtbar zu machen, das vorher unsichtbar war. Das ist das Einzige, was Reflexion leisten kann. Und das ist genug.
[ Pause ]
Nicht heute. Nicht letzte Woche. Ich meine früher. Als Kind, als junger Mensch. In einer Situation, die Sie sich nicht ausgesucht haben.
[ Pause ]
Kontrollbedürfnis entsteht selten aus dem Nichts. Es ist fast immer eine Antwort auf eine Erfahrung, in der Kontrollverlust schmerzhaft war. Das war damals eine sinnvolle Strategie. Die Frage ist, ob sie heute noch passt.
Fritz J. Bickers Antwort: Mit ca. 8 Jahren, Schulausflug ins Schwimmbad. Er wollte schlicht nicht gehen, und sein Körper übernahm die Verhandlung: Bauchschmerzen, bleiches Gesicht, Sofa. Die Mutter rief in der Schule an. Erstes erfolgreiches Verhandlungsergebnis ohne ein einziges Wort und mit erstaunter Wirkung.
[ Pause ]
Was es Sie gekostet. Energie. Vertrauen. Beziehungen. Zeit.
[ Pause ]
Fritz J. Bickers Antwort: Die Finanzen. Er weiss selbst, dass es rational nicht begründbar ist. Vertrauen, Freundschaft und Menschlichkeit zählen mehr. Trotzdem: die Belege. Jeden Tag. Er nennt es «unpassend» und tut es trotzdem. Die Kontrolle kennt keine Logik.
[ Pause ]
Einen Bereich. Eine Person, der Sie mehr vertrauen könnten. Eine Entscheidung, die Sie delegieren könnten. Einen Plan, den Sie lockerer halten könnten.
[ Pause ]
Fritz J. Bickers Antwort: Weniger Belegkontrolle würde ihm Zeit bringen, Kopfraum und das Vertrauen, dass das System auch ohne sein Zutun funktioniert. «Vielleicht sollte ich das ab morgen tun», sagt er.
Ich glaube, dass Kontrolle kein Charakterfehler ist. Ich glaube, dass sie meistens aus einem tiefen Wunsch kommt, Dinge gut zu machen. Und ich glaube, dass echte Kontrolle darin liegt, zu wissen, was man loslassen kann.
Ich bin Fritz J. Bicker. Danke, dass Sie sich diese Zeit für sich genommen haben und danke, dass wir uns etwas besser kennenlernen konnten.